Herzschlag

24. Juni 2018

Das Schwein Eisenherz lebt, hängt und arbeitet:

Advertisements

Praystation

1. Dezember 2017
Endlich: Kirche wird Kunst. Ab Mitte Dezember in Zürich.

The Chruch, Pruitt


Gailtal Rules

9. November 2017

Besonderer Hörspielschmaus vom SRF: die vegetarische Wurst-Trilogie von Gion Mathias Cavelty ist parat: vom Jetzt über Gott zum Urknall und zurück in sportlichen zwei Stunden. Ein köstlich absurder Husarenritt durch Raum und Zeit, Himmel und Hölle ins Paralleluniversum -> voilà.

Das nett verschwurbelte Hörstück mit glücklichem Ende enthält ziemlich Alles, was zur Welterklärung halt so dazugehört. Andouillette und Kasnudeln quasi als Totengräber und Geburtshelfer einer extravaganten Genesis. Monty Phyton lässt grüssen.

Phantastique!


Kakatonga

14. Juni 2017

Kiribati, Flaggensammlung, Nationalflagge, Sintflut

Nationalflagge 453 m ü. M.


Ein Herz aus Paprika

1. Februar 2017

Es war im Winter 1982, als sich die Westberliner Luft mal wieder kaum vom Odeur der die Viermächte-Insel beinahe zu fest umschlingenden DDR unterschied. Smog-Alarm bei Inversionslage war an der Tagesordnung: «Achtung, Achtung, hier spricht die Berliner Polizei. Zur Zeit herrscht Smogalarm der Warnstufe 1 — vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten im Freien, halten Sie die Fenster geschlossen und verzichten sie auf Autofahrten» plärrte die surreal wirkende Botschaft aus den Lautsprechern der Polizeifahrzeuge. Die Kohleheizung via Allesbrenner oder Kachelofen war quasi Standard-de-Luxe, und ob nun Union oder Rekord kremiert wurde war den bodennahen Atmosphärenschichten total schnuppe. Drehte der Wind zudem auf Südost wurde es katarrhisch. Dunkel, dunkler, Berlin. Schwarz war sowieso en vogue, und Kreuzberg ein heimlich schwarzes Loch, welches Unmengen an Energie aufsog und verbrauchte, um ab und an einen irisierend funkelnden Neutronenstrahl ins Nirwana zu senden.

Herz aus Paprika, Zweifel Chips, Paprika Chips

Im avantgardistischen Sprachlabor SO 36 an der Oranienstrasse waren Alexander von Borsig, Die Tödliche Doris und SPK angekündigt. Nice try! Alexander war ein talentierter, gerade siebzehnjähriger Krachmacher, Effektgeräte und Gitarre waren seine Werkzeuge. Mit Die Tödliche Doris hatte ich noch als Wessi durch deren Maxi „Sieben tödliche Unfälle im Haushalt“ eine Geistesverwandtschaft. Meine kleine Schwester war von jener Schallplatte tief fasziniert, auf der lakonisch vom ungemein banalen aber letalen Unglück berichtet wurde. Jene Artcombo benamte übrigens die damals stilbildende und unerhört frische Musik-Kategorie mit dem Terminus Geniale Dilettanten. Der Headliner SPK wurde als Sozialistisches Patienten Kollektiv, Surgical Penis Klinik und was auch immer in der Industrial Scene dechriffiert. Nicht ganz das Niveau von Klassenprimus Throbbing Gristle, nicht so brachial-germanisch wie die Einstürzenden Neubauten und auch kein antrainiertes Pathos à la Test Department, aber dennoch innovativ — war das noch industriell oder schon tänzelnder Echno? Und laut genossen tönten die synthetisierten Schallwellen mit einer enormen psychedelischen Wirkung dank Korg, Sampler & Co..

Down under rulez. Foetus, Swans, Severed Heads, Höhlennick, SPK.

Das Konzert selbst war fein, es steigerte sich konsequent über die beiden Vorgruppen bis zur Hauptattraktion. Alexander wurde noch mit Bierdosen beworfen, die Doris als Lokalmatador leidlich aktzeptiert und das ungeduldige Warten auf SPK fast endlos. Erstmal tüchtig anheizen, wa. Bloss der irrlichternde Typ neben mir drehte mehr und mehr ab, machte einen auf Pogo und suchte permanent Körperkontakt. Der hatte eindeutig die falsche Pille intus und bei seinen immer spastischer werdenden Zuckungen riss er mir absichtlich einen Knopf vom Ledermantel ab. Zugegeben, ich war selber auch nicht ganz nüchtern, doch überwog bei mir das transzendente Schwanken zwischen Irritation und Faszination, als der SPK-Frontmann seiner einen schwarzen Body tragenden Bühnenpartnerin mit einem blutigen Hammelschädel den Oberschenkel rauf und runter fuhr. Klar war der Schädel vom türkischen Schlachter ausm Kiez. Klar hinterliess das Spuren, nicht nur auf den Netzstrümpfen. Dazu der horrende Schallpegel, die übliche stark sauerstoffreduzierte SO 36-Luft und die angestrengte aber unbedingt aufrecht zu erhaltende eigene Coolness mit ihrer hoffentlich deeskalierenden Aussenwirkung. Fremdes Blut hatte ich im OP schliesslich schon genug gesehen.

All das war weit weg, doch als das Werbeplakat für Zweifel-Chips meine Netzhaut belichtete, kam die Erinnerung. Wie ein Herz aus Paprika! Vom limbischen System längst verbucht und in gewundenen Hirnlappen zwischengelagert. Das Internet aber dokumentiert alles routiniert. Wie radebrechte Problemtänzer Wolfgang Müller damals in der Echtwelt?

«Nylonstrümpfe werden steif durch getrocknetes Blu-ut.
Das Taktgefühl geht im Krieg verloren.
Lieber gar kein Herz, als ein Herz aus Paprika!»

Prophetisch poetisch.


Kislány 77

21. Juli 2016

mariaxmas_61
The kids are alright.


Sprachverlust

21. Mai 2016

Wenn es jemanden die Sprache komplett verschlägt, muss schon ein ziemlich einschneidendes Erlebnis vorangegangen sein. Eine solche traumatische Blockade ist meiner Mutter widerfahren, nachdem sie als Kind ihr Heimatland verlassen musste und fortan kein ungarisches Wort mehr sprach. Etwa eine halbe Million Donauschwaben wurden nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ungarn deportiert. Der Treck führte westwärts nach Bayern, wo die Ungarndeutschen versuchten sich in einer für sie neuen und fremden Welt wieder zu etablieren.

Donauschwaben, Flucht Donauschwaben

Zwanzig Jahre später folgte dann der erste Besuch in der inzwischen fremd gewordenen Heimat, wo ein nicht unerheblicher Rest der Verwandtschaft als deutschsprachige Minderheit verblieb. Im Geburts- und Elternhaus wohnten inzwischen Fremde, aber innerhalb der ortsansässig gebliebenen Familie wurde der altertümliche klingende donauschwäbische Dialekt gesprochen und meine Mutter konnte mitreden. Selbst heute ist die sog. Schwäbische Türkei die noch immer grösste deutsche Sprachinsel in Ungarn. Nach weiteren Besuche in der alten Heimat ging meine Mutter schliesslich ihren Sprachverlust in einem Sprachkurs an und erarbeite sich die verlernte ungarische Aussprache noch einmal.

Ausländer

Krieg und Flucht hinterlassen nach Erkenntnissen vom Konstanzer Epigenetiker und Neuropsychologen Thomas Elbert* ihre traumatischen Spuren aber nicht nur im Gehirn der Betroffenen, sondern auch in deren Erbgut. Zwar ändere sich das Genom nicht selbst, wohl aber die genetische Lesart und hat so direkte Auswirkungen auf Hirnstruktur, Hormonhaushalt und Nervensystem des Kindes — das Kind reagiert schlicht sensibler auf seine Umwelt; Elbert spricht von einer verstellten Stressachse:

Jetzt kommt das Kind mit dieser vorprogrammierten Stressachse zur Welt und wird sozusagen mehr aufmerksam auf eine Welt: hier lauern Gefahren auf mich und ist daher weniger explorativ, aber ängstlicher und vunerabler für psychische Störungen.

Auswanderung

Elberts Ansatz zur Traumabewältigung beinhaltet eine eigentlich alte Technik, nämlich die erzählte Leidensgeschichte, welche von ihm einschliesslich der Gefühle rekapituliert, schriftlich fixiert und den Opfern übergeben wird. Diese quasi beglaubigte Lebensgeschichte ermöglicht den Betroffenen Gefühl und Ereignis wieder zusammen zu bringen, eine Vervollständigung der Erinnerung, welche helfen soll, wieder die Kontrolle über seine Gefühle zu gewinnen.

Die Situation am Ende des Zweiten Weltkriegs wird unterschätzt, weil man sie vollständig tabuisiert hat: man durfte nicht zugeben, dass man traumatisiert war. Wir haben in den letzten Jahren nochmal die Frauen befragt, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben und jetzt natürlich schon auf die 90 zugehen: 20% der Frauen sagen, sie sind vergewaltigt worden und haben es nie jemanden gesagt. Jetzt kurz vor dem Tod sei es auch egal, jetzt kann ich mal auf den Tisch legen, was passiert ist. Es war die Unfähigkeit in der Nachkriegsgesellschaft darüber zu sprechen, die zu viel stillem Leid geführt hat.

Das verlogene Narrativ des Integrationswunders im Nachkriegsdeutschland, die Erfolgsstory von Aufschwung und Integration camouflierte perfekt die gleichzeitige vonstatten gehende Verdrängung von Schuld und Vergangenheit.

Damals gab es ca. 13 Millionen Rucksackdeutsche; heute schätzt das UNHCR die Zahl der weltweit Vertriebenen auf ca. 60 Millionen liegt — ein mutmasslich nicht zu bewältigendes Trauma per se.

* Professor Thomas Elbert ist u. a. Vorstandsmitglied von „vivo international“ (victims voice), die mit Überlebenden organisierter Gewalterfahrungen arbeitet.


L’art est mort. Vive DADA!

5. Februar 2016

was ist dada, dada 2016, dada zürich, dada sachweiz

Kaum hundert schon tot.
Hundert kaum tot schon.
Schon hundert kaum tot.
Tot kaum hundert schon.


Strobl nervt

15. Juli 2015

Seine Schwester fand ich ja ganz nett. Ihre regionale Karriere als Geräteturnerin verfolgte ich mit lokalpatriotisch angehauchtem Schülerenthusiasmus gerne. Während der Grundschulzeit war meine Klassenkameradin eine richtige kleine Berühmtheit in meiner Schule. Ihren Bruder Thomas lernte ich erst später auf dem Gymnasium kennen, nämlich in der SMV (Schüler-Mit-Vertretung), eine Art Plenum der Klassensprecher mit Beisitz eines von den Schülern gewählten Vertrauenslehrers.

Thomas war irgendwie anders, er war brav seitengescheitelt und Mitglied in einer damals irrelevanten Schülerunion. Es war die bundesrepublikanische SPD-Hoch-Zeit von Brand/Wehner/Schmidt, Annäherung durch Wandel, mehr Demokratie wagen, Kniefall und in jener von der RAF-BRD-Auseinandersetzung innenpolitisch geprägten gerade noch Prä-Grün-Ära waren ein Strauss, Dregger & Co. einfach viel zu deftig und altbacken für weltoffene und revolutionsbereite junge Grossstädter. Dass mit der Schülerunion die Konservativen ganz bewusst der langsam wegbrechenden Wählerklientel der Weltkriegsgeneration entgegenwirkten, entging mir völlig. Thomas und seine eins zwei Mithansel konnte und wollte ich damals einfach nicht ernst nehmen. Spürbar war allerdings, dass der Thomas tapfer ein Vakuum ausfüllte.

Thomas Strobl, CDU, Schwiegersohn Schäuble, Strobl Heilbronn

Thomas war also gewissermassen Exot, der sich an linken Positionen rieb und seltsam angepasst daherkam. In der Schule war er mehr schlecht als recht, er wurde gerade so versetzt und es gab unter uns Schülern Gerüchte, dass nicht alles mit rechten Dinge zugehe, er – weil politisch rechts und systemkonform – quasi einen Sonderstatus bei der Lehrerschaft inne hätte. Zwar tröpfelten die 68er selbst in meiner konservativen Schule langsam ins Lehrerkollegium, aber Ministerpräsident im Ländle war zu jener Zeit noch ein gewisser Dr. Filbinger, ein Marinerichter a. D.. Unter den Talaren war tatsächlich immer noch der Muff von tausend Jahren.

Thomas aber zog sein Ding durch: CDU-Lokalpolitiker, Gemeinderat, erst Landtags- dann Bundestagsabgeordneter, hinzu kam die Heirat einer Schäuble-Tochter. Schliesslich Baden-Württembergischer Generalsekretär, Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender. Dass es mit dem Ministerpräsidentenamt entgegen meiner Befürchtung noch nicht geklappt hat, hat nicht nur mich überrascht. Thomas dachte wohl das Ding sei bereits gegessen, hatte jedoch vor der Mitgliederbefragung seiner Partei eindeutig unterperformt, weil zu arrogant, abgehoben und eben siegessicher. Er menschelte einfach nicht genug und die Landespartei zog es ganz pragmatisch vor, mit einer CDU-Version vom wertkonservativen Kretschmann die Macht in Deutsch-Südwest wieder erlangen zu wollen.

Nun erleichterte sich der Thomas süffisant in die TV-Kameras lächelnd mit einem «der Grieche hat jetzt lange genug genervt». Pauschalisierung und Vereinfachung sind ein probates Mittel der populistischen Meinungsmache. Aber auch Öl ins Feuer der Entrüstung über die wirtschaftliche Vormacht der Teutonen in Europa. Denn weil der Teutone bei den Exportweltmeisterschaften immer aufs Treppchen kommt, hat er genug Bares erwirtschaftet was nicht weiter ausgebeutet werden kann, sondern — Hase im Pfeffer — gegen Zins pekunär Bedürftigen verliehen werden muss, um weiterhin profitabel zu bleiben. Kapitalismus vs. tendenzieller Fall der Profitrate usw. etc.. Darum ist es der teutonische Streber, welcher mit seinem permanenten Zuviel nervt: umgeschuldeter Verlierer zweier Weltkriege, kauft sich für fast nix Neufünfland zurück und ist immer noch solvent. Hm.
Sicher ist es familiär belastend, wenn der Schwiegervater als Exponent der teutonischen Marktmacht nicht gerade freundlich karikiert wird, klar kann man bei dem emotionalen Stress auch mal einen raushauen. Das hat der Thomas schon immer gerne gemacht. Als Generalsekretär nahm er das Panzerlied in ein Liederbuch auf, dessen Auflage anschliessend auf Geheiss vom damaligen CDU-Landeschef Oettinger «Ein solches Lied hat in keinem Liederbuch etwas verloren…» eingestampft werden musste. Jaja, der Thomas kann auch einstecken, wie sein rechter Schmiss am linken Mundwinkel wohl beweisen soll: als Mitglied einer pflichtschlagenden Studenten-Verbindung hatte Thomas es bestimmt super lustig in Heidelberg, wahrscheinlich sogar weil ihm eine rein gehauen wurde.

Thomas Strobl, CDU, Schwiegersohn Schäuble, Strobl Heilbronn, Schmiss, Schlagende Verbindung

Ziemlich schadenfroh verfolge ich, dass sich die mit ihrer langweiligen Angepasstheit, dabei aber machtbewusst und bis in die Haarspitzen karrieregeile Boygroup von Wulff, Koch, Röttgen und vor allem Thomas Strobl zumindest bundesweit nie hat durchsetzen können. All diese seitengescheitelten Laffen gehen nicht als rechte Kronprinzen durch. Höchstens als biedere Schwiegersöhne.

Und Thomas: der Grieche wird auch weiterhin nerven. Versprochen. Ganz vielleicht schlägt er auch irgendwann zurück. Oder der Spanier. Oder der Italiener. Oder ich.


Charascho!

9. Mai 2015

Endsieg, Grosser Vaterländischer Krieg, Ende Weltkrieg 2, 1945, Berlin, Weltkrieg Berlin

Cпаси́бо.