Electric Café

25. August 2014

Die ambitionierte Konzertreihe «Les Digitales» stellt zeitgenössische Musik im elektro-experimentellen Kontext vor und findet während der Sommermonate in diversen Städten in der Schweiz umsonst & draussen statt. Lässig fläzt man sich in die bereitgestellten Liegestühle, lauscht den Darbietungen der Elektro-Akkustikern und geniesst die währschafte Volksküche zu zivilen Preisen. Bei der Zürcher Darbietung auf der Brache des ehemaligen Hardturmstadions hielt ich mein Gehör ganz nah an die Lautsprecher und war entzückt von den geschmeidigen Tonlagen, Toncollagen und Tonarten.

Zudem schien die Sonne prächtig.

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Besondere Erwähnung verdient das Zürcher Allstar-Trio Universalfilter, die dank fein verfremdeter Stimme, ordentlich verzerrter Stromgitarre und elektronisch modifizierter Steeldrum ein wundersames Klangspektrum entfalten, welches die Lauschenden sanft wie ein Schmetterling langsam aber sicher bestäubt. In eine ähnliche Kerbe hauen Sinner DC aus Genf, die es ebenfalls verstehen direkt aus der Steckdose kommend eine elektromagnetische Wohlfühloase zu generieren. Zwischendurch gibt es naturgemäss immer wieder mal ein tüchtiges Maschinengewitter, weil aber die einzelnen Auftritte kaum länger als eine halbe Stunde andauern, ziehen aber diese ganz rasch wieder vorüber. Der Schlussakkord in Zürich wurde schliesslich vom universellen Bit Tuner intoniert, der natürlich wieder einen äusserst adretten Pullover trug und die wenig verbliebenen Lichtquanten in der nun rasch einsetzenden Nacht gewohnt rhythmisch zur Os­zil­la­ti­on brachte.

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Allesamt interessant gelegen sind auch die ausgesuchten Örtlichkeiten der einzelnen Etappen — generell ist elektronische Mucke im Freien sehr sehr gut aufgehoben, hebt sich in der wildwüchsigen Natur quasi sowieso selbst auf und schwebt als schillernde Seifenblase ihrer finalen Detonation zu.

Wer will und kann sollte am kommenden Samstag unbedingt nach Neuchâtel pilgern, dann gibt es die Elektro-Lounge direkt am See mit Ausblick. Vielleicht hat sogar eine lokale Absinthé-Bar geöffnet; das feenreiche Val-de-Travers liegt ja just um die Ecke, gell Dirk.

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Zürcher Hickhack

19. August 2013

Noch immer warten beide Zürcher Erstliga-Vereine sowie deren Fans auf ein reines Fussballstadion. Der ursprüngliche bereits vom Volk beschlossene und zur EM 2008 einsatzbereit geplante Neubau am Hardturm kam wegen zahlreicher Einsprüche letztlich nicht zustande. Seitdem wird im Provisorium Letzigrund gekickt, einem zugigem Leichtathletik-Stadion. Die in Zürich ziemlich steuergünstig residierende FIFA könnte selbst ein Stadion mit Klimaanlage locker finanzieren, will sich jedoch nur an an einem reinen Sitzplatz-Stadion beteiligen. Dies wiederum wollen beide Zürcher Vereine nicht ihrer treuen Kundschaft in den jeweiligen Fan-Kurven zumuten.

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Foto entliehen von: knappdaneben.net

Kommenden Herbst steht nun ein neuer Volksentscheid in Sachen Stadionbau an und die Stimmung kippt zusehends. Natürlich geht es im Meinungsstreit auch um den kulturellen Wert von Profi-Sport und der integrative Wert von Vereinssport wird angesichts der Balkanisierung der Schweizer Nationalelf ebenfalls thematisiert. Gegner des Projekts wollen für notorische Pyromanen partout kein Steuergeld aufgewendet wissen, zumal sich keiner der beiden Zürcher Fussballclubs an den Baukosten finanziell direkt beteiligt. Fussballsport scheint in der Dienstleistungsmetropole Zürich eben ein Hauch zu proletarisch zu sein. Während in der Industriestadt Basel jeweils 30.000 Zuschauer die Heimspiele besuchen, locken die Zürcher Teams selbst bei addiertem Zuschauerschnitt nur gut die Hälfte ins Stadion und wären damit in etwa auf Augenhöhe mit der Stadt Bern, deren Einwohnerzahl gerade mal ein Drittel beträgt. Dabei holten die Young Boys vor 27 Jahren ihren letzten Titel; allein in jener Zeit war der Grasshopper Club siebenfacher Schweizer Meister und der FC Zürich glückte dies immerhin dreimal. Allerdings sei hierzu angemerkt, dass die jeweiligen Präsidenten finanziell potente Gönner ihrer Clubs waren und den Erfolg zum grosen Teil aus ihrer Privatschatulle mitfinanzierten.

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Professionelles Lächeln und Tschüss

Trotz wachsender Zuschauerzahlen bleibt der Schweizer Markt in Sachen Fussballsport recht übersichtlich und wird trotz kleinerer internationaler Erfolge eher als Ausbildungsstätte wahrgenommen. Zuviele Änderungen im Spielbetrieb und krachende Konkurse (Servette, Xamax) ramponierten in jüngster Zeit die Binnenreputation. Die Idee einer pannationalen Alpenliga (CH, LIE, AUT) gilt heute als überholt, doch die Fusion der nicht besonders eng befreundeten Zürcher Vereine ist wiederholt Thema.
Nur warum sollte man dem herzblütigen Vereinswesen die synergetische Schablone einer ach so freien Marktwirtschaft überhaupt überstülpen wollen? Vielleicht weil dann endlich Vereinsnamen wie Blau Weiss Red Bull oder Bimbesclub FIFA möglich wären.