Fireinthesky

28. Oktober 2017
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Gartenidylle

3. August 2017

Kleingarten, FGZ, Gartenidylle


O du goldigs Sünneli

20. Oktober 2016

Ab in die Sonnenstube Helvetiens, um noch vor dem Fahrplanwechsel die dann alte Gotthardstrecke mit ihren vier Tunnelkehren zu befahren. Randvoll ist der Zug, viel graues Haar, GA-Besitzer und Tagesausflügler nutzen das auf der Alpensüdseite vielversprechende Wetter. Da heisst es zunächst mit der Holzklasse Vorlieb zu nehmen; Klappsitze im Veloabteil. Zwei Seniorinnen stossen aus Platzmangel hinzu. Sie seien auf einen Kaffee in Locarno verabredet, ausser Handtaschen kein Ballast. Sie machen das oft und gerne und immer zusammen. GA rulez.

Noch im Kanton Schwyz endlich gepolsterter Platz und eine neue, sehr fidele Pensionäresgruppe gesellt sich zu mir. Schenkelklopfend werden Witze lauthals herumgereicht und selbst schlüpfriger Humor mit einem etwas senilen Nachgeschmack tritt leider viel zu offen zu Tage. Die detaillierten Kranken- und Leidensgeschichten der Partner werden ausgetauscht, als überraschend festgestellt wird, dass alle bereits verwitwet sind. Hier ein Krebs, dort eine Querschnittslähmung und da ein mehrjähriges Koma. Aber lustig haben sie es trotzdem, c´est la vie und bei der Kirche von Wassen kommt es tatsächlich zu einer leibhaftigen Parodie von Emils Humoreske: permanent wird das Handy genau im falschen Moment gezückt, um das Bild für den Fotochip festzuhalten. Dafür kommt der Mahnstein von Göschenen direkt vor dem Gotthardmassiv in den Blick:

Göschenen, Sonja Kreis, Gotthard, Gotthard 2007
Bahnhof Göschenen: ehemaliges Aufzugsgebäude für den Auto-Verlad, Text von Sonja Kreis (2007)

Natürlich wirkt der Text direkt an der alpinen Wetterscheide viel stärker als im Flachland; schon der Blick auf die Berglandschaft mit den tief hängende Wolken verursacht Gedanken an Wetter und Witterung oberhalb der Baumgrenze und wie Menschen überhaupt mit dem gewaltigen Berg eine Symbiose eingehen können.

I am the passenger, and I ride and I ride.

Kurz nach dem Gedicht die im Vergleich zur Autofahrt kurz wirkende und dabei fast genau so lange Tunnelpassage und dann liegt das Tessin sonnendurchflutet vor uns, der Ticino etwas arg seicht in seinem Bett, die Bergspitzen erscheinen erst ganz zart überzuckert und die Reisgruppe schmiedet Pläne für das anstehende Mittagessen. Lugano oder Locarno? Chiasso ist mir zu grenzwertig und Chico d´Oro zu abwegig. Lugano ist Endstation, basta. Herzlich auflachen muss ich beim Verlassen des Neigezuges, als ich Manni Matter als dessen Namenspatron entziffere — Hemmige, passt.

Die Hälfte der Herde ist bereits in Bellinzona in Richtung Laggio Maggiore ausgeschert, trotzdem wirkt es wie eine Deutschschweizer Ausflugsdemo, als wir die Station Lugano in Richtung Centro verlassen. Altstadt, Piazza und Seepromenade, dazu 20 Grad. Schön, schöner, Italia. Lecker ist es sowieso und dazu gibt es ein paar grotesk gealterte Ansichtskarten, die den Charme des Rentnerparadieses auch farblich perfekt auf den Punkt bringen und als spätsommerlicher Gruss umgehend an die Daheimgebliebenen verschickt werden.

Bansky, Lugano, Tunnel
Tapeziert und banskyhaft verfremdet: Luganeser Tunnel am Bahnhof

Retour gehts mit dem Regionalexpress, mehr Stationen, weniger Leute. Zunächst. An jedem Halt steigen mehr Menschen zu, Kurzurlauber, Familien, Feierabend habende. Bis Zürich HB ist alles gut gefüllt. Das Licht Richtung Norden ganz anders als auf dem Hinweg, nicht ganz so verheissungsvoll, dafür blauer.

Nächstes Mal dann Halt auf dem Berg mit Besuch im Herz der Schweiz.


Le soleil est près de moi

20. März 2016

Le printemps enfin.

Schon wenige Tage vor Erreichen des astronomischen Frühlingpunktes leuchtet die Sonne munter herab; bereits seit dem 16. März beträgt die tägliche Dauer der in Mitteleuropa aufschlagenden Lichtquanten wieder mehr als 12 Stunden. Die erhellende Lichtenergie regt brach liegendes Potential an, was teilweise aber den körpereigenen Kräftehaushalt überfordert. Dessen Folge ist die landläufig genannte Frühjahrsmüdigkeit. Der Hormonspiegel liegt noch auf dem tiefen Winterlevel und die klimatischen Bedingungen sind längst nicht stabil genug, als dass sich der Körper schon auf Sommerbetrieb umzustellen vermag. Dieses leicht schwankende Gefühl darf man unbedingt geniessen, da es — wie alle Zustände im Interim — angenehm betörend wirkt.

Stolpergefahr


Klimawandel

20. Januar 2016

Der Stadtzürcher Orgelbeauftragte testierte anlässlich der jährlich anstehenden Auswertung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im jakobinischen Kirchenraum periodisch wiederkehrende Muster, welche nicht mit den handelsüblichen Gottesdiensten korrelierten.

jakobmeteo

Ringelpietz mit Anfassen macht warm und feucht plus Aufwind.


Winterlong

22. Dezember 2015

I waited for you winterlong
You seemed to be where I belong
It’s all illusion anyway

If things should ever turn out wrong
And all the love we have is gone
It won’t be easy
On that day

Waiting to follow
Through the dream light of your way
Is not so easy for me now

After time has passed your way
Things we thought of yesterday
Come back now, come back now

Mag der Winter noch dauern, die Wiedergeburt der Sonne ist eingeleitet: am 22. Dez. 2015 um 05:48 Uhr wendete das Zentralgestirn auf seinem scheinbaren Lauf um die Erde und steigt alsbald sachte höher. Ende Monat gibt es in Zürich immerhin 5 Minuten mehr Tageslicht, Ende Januar bereits eine Stunde und am kommenden Schalttag dann satte zweieinhalb Stunden mehr Sonnenlicht.
Für das nördlicher gelegene Berlin gibt es Ende Januar schon 80 Minuten und am 29. Februar über drei Stunden längere Tage. Obwohl Berlin gegenüber Zürich aktuell mit fast einer Stunde weniger Tageslicht auskommen muss, hat es zum meteorologischen Frühlingsanfang Zürich in Sachen Lichtdauer dank Erdkrümmung und Ekliptik locker eingeholt.

Derweil bleibt es bis zum astronomischen Frühlingspunkt am geografischen Nordpol völlig dunkel, während am Gegenstück unserer kosmischen Kartoffel die Tage endlos scheinen.

Heliograpf, Sonnenscheinmesser, Sonnenscheinautograph

Ein Heliograph bündelt das Sonnenlicht und brennt in einen hinterlegten Papier- oder Plastikstreifen Punkte bzw. Linien, an denen sich die Sonnenscheindauer ablesen lässt.


Eiszwerge und Rote Riesen

28. Oktober 2015

Pluto, Charon, New Horizons, New Horizons 2015, NASA Mission Pluto, Planet Pluto

Wenn laut der kosmologischen Prophezeiung dereinst die Sonne sich zu einem bis an die Venus-Bahn heran reichenden Roten Riesen aufblähen wird und dabei die Erde kräftig aufkocht, könnte neben Saturn Mond Titan doch der herzallerliebste Pluto plus Gefährten ein angenehm kühles und schattiges Plätzchen bieten, falls die Erdlinge die nächsten 6,5 Milliarden Jahre halbwegs intakt überstehen. In der Zwischenzeit kann man das Terraforming nebst Kartoffeldiät auf dem Kollegen Mars üben, bevor wir dann flugs das Körpergewicht aufgrund geringerer Gravitation locker auf ein fünfzehntel reduzieren.


Blauheit

23. September 2015

Am 23. September erreicht unsere Sonne den Wendepunkt der laufenden Saison und wird der Königin der Nacht das Zepter zumindest vorläufig überlassen. Nach 89 Tagen Herbst folgen 88 Tage Winter, bevor im März die Sonne sich wieder spürbar erhebt und alles neu belebt.

Cyanometer, Farbenskala, Coleur du Ciel,Color of Heaven, Himmelsfarbe

Mit Hilfe eines nach Horace-Bénédict de Saussure rekonstruierten Cyanometers können wir derweil dank des noch vorhandenen Restlichtes weiterhin akkurat die Himmelsfarbe bestimmen und damit indirekt den Anteil des Wasserdampfes in der Atmosphäre. Die Farbe des Herbstanfanghimmels in Zürich war heute laut Skala zwischen 1 und 2, recht blauarm somit äusserst feucht.


Sonnenfeuer

21. Juni 2015

Gegen 18.38 Uhr MESZ erreicht die Sonne ihren nördlichsten Punkt auf der Himmelskugel. Die Sonnenwende markiert die beginnende Erntezeit und der Johannistrieb regt sich. Vielleicht.

Sonnenwende, Sonnenwendfeier, Sonnenwendfeuer, Wolkenbrand, Sonnenfeuer

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

(von Paul Gerhardt, Berlin 1666)


Früelig

20. März 2014

Am 20. März 2014 neigt sich um 17:57 MEZ die kosmische Waagschale wieder einmal zugunsten der übersprudelnden Lichtquanten.

Kinderausflug, Chinsgi-Ausflug, Zweierreihen, Kindergarten

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten –
dürfen ihn einmal sehn.

(Rainer Maria Rilke)